Nachbericht: Kein Meeting ohne Tech Host

Kein Meeting ohne Tech Host

Mit einem AA-Meeting verhält es sich ja wie mit einem Rockkonzert: Natürlich ist die Band eine wichtige Komponente, die ganze Veranstaltung lebt aber vor allem von den Ton- und Lichttechnikern. So wie die Musiker bei einem Konzert, stehen auch die SprecherInnen und Chairs bei den AA-Meetings deutlich im Vordergrund, dennoch sind sie nicht die einzigen, die ein Meeting möglich machen. Die Greeter heißen jeden Neuankömmling herzlich willkommen, der Kaffeedienst sorgt für eine gemütliche Atmosphäre mit Heißgetränken und Keksen und der Kassendienst verwaltet die Spenden und Mietkosten für die Meetingräume. In Zeiten von Corona, in denen fast alles online stattfindet, kochen wir zwar alle unseren Kaffee selbst, dennoch sind die Meetings auf viele Bereitwillige angewiesen, nun also auch auf die Tech Hosts, die die technischen Komponenten der Meetings im Blick haben, Texte, wie z.B. die Präambel, für alle einblenden und darauf achten, dass die Mikrofone aller Teilnehmenden stumm geschaltet sind, sodass alle allen folgen können.

Heute Vormittag war ich in zwei Meetings als Tech Host unterwegs. Ich mache diesen Dienst seit der Corona-Pandemie oft und gerne und habe mich beim CLT früh für diese Zeitfenster gemeldet. Normalerweise gibt es pro Meeting nur einen Tech Host, während des CLTs sind es jedoch meistens zwei. Ich freue mich, weil ich eine tolle AA-Freundin an meiner Seite weiß, die ich zwar nicht persönlich, aber aus vielen Online-Meetings kenne. Und wie sich herausstellt, ist es gut, dass wir zu zweit sind. Die Teilnehmerzahl wächst innerhalb der ersten Minuten stetig. Eben sind es noch 60, dann 65 und auf einmal mehr als 70 Teilnehmende in unserem virtuellen Warteraum, die eingelassen werden möchten. Die Bildschirmdisziplin ist zwar bei allen Teilnehmenden ausgezeichnet, aber immer wieder schalten sich einige Mikrofone ein und kleine Nebengeräusche unterbrechen die Sprechenden. Nichts, was wir nicht mit einem Klick beseitigen könnten, doch wir brauchen dazu unsere volle Konzentration während der einstündigen Meetings. Und vier Augen und Hände sehen und reagieren nun mal besser als zwei. Nebenbei sollen die Präambel und Auszüge aus der AA-Literatur über die Bildschirmfreigabe mit allen Teilnehmenden geteilt werden, wir beantworten Fragen im Chat und senken die gehobenen Hände derjenigen, die nach den SprecherInnen teilen, sobald sie dran sind. Es sind viele kleine Aufgaben, die wir in diesem Meeting haben und denen wir versuchen gerecht zu werden, sodass alle Teilnehmenden ein schönes und reibungsloses Meeting erleben können. Und ganz nebenbei hören wir viele wunderbare Menschen sprechen und profitieren natürlich wie alle anderen von der Erfahrung, Kraft und Hoffnung, die von den FreundInnen mit auf den Weg gegeben wird. Nach drei Stunden beende ich erschöpft, aber glücklich meine Dienstzeit als Tech Host beim CLT und freue mich auf alles, was ich im Laufe des Wochenendes noch hören darf, dieses Mal ohne die Kontrolle über die Mikrofone haben zu müssen.

Tammy (27), Alkoholikerin