Nachbericht: Es funktioniert auch spontan

Mit Mitte 20 zu AA

Wir haben uns am Samstagabend mit ein paar Leuten und ihren Kindern bei einer AA-Freundin zu Hause getroffen, um zusammen die Oldtimer*Innen sprechen zu hören und eine kleine Sleepover-Party zu machen. Es war super schön, nach so langer Zeit ohne face-to-face-Meetings mal wieder Zeit mit AA-Freund*Innen zu verbringen. Auch wenn wir uns untereinander vorher zum Teil nur flüchtig kannten, haben wir gleich eine gemeinsame Ebene gefunden, so wie es bei AA eigentlich immer ist.

Das Teilen der Oldtimer*Innen hat mich sehr berührt. Wir saßen zusammen mit leckerem Essen vor dem Laptop auf dem Sofa, haben den Sprecher*Innen gelauscht und das Gesagte zwischendrin ab und an kommentiert. Mir bedeutet es viel, durch Menschen, die schon sehr lange trocken sind, zu sehen, dass es sich auch in persönlich schwierigen Zeiten lohnt, trocken zu bleiben und da durchzugehen. Der Frieden, das tiefe Mitgefühl und die Klarheit, die ich in einigen Beiträgen wahrgenommen habe, helfen mir, einfach weiter einen Tag nach dem anderen zu leben und das, was grade los ist, leicht zu nehmen.

Später beim Karaoke-Abend haben wir dann zusammen in der Küche rumgetanzt und die Lieder mitgegrölt – das hat super Spaß gemacht und die Diskokugel der Gastgeberin hat eine wunderschöne Stimmung gezaubert. Einer von uns hatte noch Geburtstag und plötzlich haben alle auf Zoom ein Ständchen für ihn gesungen, was bei gut 100 Leuten ein krasses Gefühl ist. Später haben wir dann den Abend noch mit einem Lagerfeuer im Garten ausklingen lassen.

Das Schöne am CLT und der gemeinsamen Vorbereitung war für mich auch, dass ich mit so vielen Leuten von AA in Berührung kam, denen ich außerhalb einer Convention nie begegnet wäre. Zu sehen, wie vielfältig die Gemeinschaft ist und dass es ganz unterschiedliche Genesungswege gibt, ist sehr beeindruckend. Conventions sind eine schöne Gelegenheit, mich mit anderen jungen AAs zu verbinden und zu sehen, dass es ja viel mehr Leute gibt als ich dachte, die wie ich, auch schon Mitte 20 zu AA gekommen sind. Gleichzeitig fühle ich mich aber auch durch die Älteren getragen – zu wissen, dass ich, wenn ich dabei bleibe, irgendwann auch die Gelassenheit einer Oldtimerin erreichen kann, entspannt mich sehr.

Hanna (28), Alkoholikerin